Stalingrad - Bilder einer erbitterten Schlacht

Stalingrad - Bilder einer erbitterten Schlacht

Der Kampf um Stalingrad in einer Dokumentation von Bildern, Fotos, Karten, Filmen, Plänen, Berichten und Beschreibungen.

 

 

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Kampfverlauf um Stalingrad

 

Nach dem Scheitern der Moskau-Offensive und den erbitterten Abwehrkämpfen des Winters 1941/42 beabsichtigte die deutsche Führung im Sommer 1942 mit einer neuen Offensive die Entscheidung zu suchen. Im Rahmen seiner Ansprache am Jahrestag der Machtergreifung erklärte Reichskanzler Adolf Hitler den Krieg an der Ostfront zum Kampf für Europa und für die zivilisierte Menschheit. Das Oberkommando des Heeres (OKH) favorisierte eine begrenzte Operation, da zu einem Schlag wie im Sommer 1941 mittlerweile die Kraft fehlte. Man wählte den Südabschnitt, wo über den Donbogen das Industriezentrum Stalingrad (vormals Zarizyn) an der Wolga erreicht werden sollte. Im Anschluss an die Einnahme der Stadt sollte je ein Angriffsflügel nach Norden gegen den Großraum Moskau und nach Süden in den Kaukasus angreifen. Durch eine Unterbrechung der Öltransportwege aus dem Kaukasus wollte Deutschland Stalin den Todesstoß versetzen. Schon der Gedanke, von Stalingrad aus in den Rücken Moskaus einzudrehen und im Norden nach der Einnahme Leningrads die sowjetische Hauptstadt von den alliierten Lieferungen aus Murmansk zu trennen, zeigt die groteske Unterschätzung der Stärke der russischen Kräfte durch deutsche Generalstäbler. Von Anfang an war das sowjetische Oberkommando STAWKA durch Agentenmeldungen und Verletzung der Geheimhaltungsvorschriften über die deutschen Pläne gut informiert, erwartete jedoch noch immer einen Hauptangriff im Mittelabschnitt.

Während die Wehrmacht damit beschäftigt ware, als flankierende Operation die Krim abermals von sowjetischen Truppen zu säubern, schlugen die Sowjets am 9. Mai 1942 gegen die Heeresgruppe Süd los. Drei starke Stoßkeile sollten zum Dnjepr durchbrechen und die Ostfront einreißen. Da die deutschen Truppen gerade umgruppiert wurden, kamen Marschall Timoschenkos Panzerverbände ohne großen Widerstand rasch voran. Das OKH reagierte überlegt und brachte den Sowjets ab dem 17. Mai mit einem Flankenangriff eine vernichtende Niederlage nahe Charkow. Am 28. Juni konnte die Heeresgruppe Süd des Generalfeldmarschalls von Bock ihr Unternehmen „Blau“ eröffnen.

Zur Verfügung standen die 2. Armee (Freiherr von Weichs), die 4. Panzerarmee (Hoth), die 6. Armee (Paulus), die 17. Armee (Ruoff) und die 1. Panzerarmee (von Kleist) sowie die ungarische 2. Armee (von Jány) und die rumänische 3. Armee (Dumitrescu). Die aus den Räumen Kursk und Belgorod hervorbrechenden Zangenarme sollten sich bei Staryj Oskol treffen, um Timoschenkos angeschlagene Truppen einzukesseln und zu vernichten. Durch vorherige Erbeutung der Angriffspläne waren die Sowjets gewarnt und konnten sich nach Osten absetzen. Paulus schloss einen leeren Kessel, da er abweichende Vorschläge ignorierte, außerdem vergeudete Bock bei der Eroberung von Woronesch im Norden wichtige Zeit. Der deutsche Nachschub versagte vollständig - ein Problem des gesamten Ostfeldzuges. Dennoch erschütterten Desorganisation und Demoralisierung die Sowjets. In den ersten drei Wochen nach Angriffsbeginn verlor die Rote Armee allein an die Heeresgruppe B 250.000 Soldaten, 1.250 Panzer und 3.000 Geschütze.

Von den 38 Divisionen der neuen Stalingrad-Front zählten 14 weniger als 1.000 und 6 weniger als 4.000 Mann. Das OKH überschätzte seine Erfolge maßlos und Hitler stürzte den Feldzugsplan um. Die Heeresgruppe Süd wurde aufgelöst und die neue Heeresgruppe A sollte noch vor der Einnahme Stalingrads in den Kaukasus vorstoßen. Für die eigentliche Hauptoperation gegen die Wolga blieben Bocks Heeresgruppe B (als Oberbefehlshaber bald durch Weichs ersetzt) nur noch die Armeen Weichs, Hoth, Paulus und Jány. Diese Doppeloperation war riskant, da zum einen das Nachschubsystem noch mehr überbelastet wurde und zum anderen eine gefährlich lange Nordflanke entlang des Don entstand, die von Truppen der Verbündeten gehalten werden musste. Auch für weiteres Durcheinander sorgte ein zeitweiliges Abdrehen der 4. Panzerarmee nach Süden. Die Sowjets wichen weiter aus, um die Deutschen zu zwingen, den Winter an der Wolga und im Kaukasus in ungünstiger Position zu verbringen. Kurz nachdem Weichs den mittleren Don am 17. Juli erreichte, waren weite Kreise der deutschen Führung der Ansicht, die Sowjets seien endgültig geschlagen. Allerdings begann schon jetzt die Verlegung der in Neuaufstellung befindlichen STAWKA-Reserve in den Donbogen.

Nachdem die italienische 8. Armee (Gariboldi) am Don als Flankensicherung eingeschoben war, bereitete Weichs seinen Angriff vor. Im Norden waren die Gruppe Wietersheim und die Gruppe Seydlitz auf Kalatsch am Don angesetzt. Die Gruppe Paulus sollte den Gegner von Westen her aufrollen, während die Gruppe Hoth den Don bei Tsimljansk überschreiten und Stalingrad von Süden her angreifen würde. Die Stadt selbst sollte frühzeitig durch die Luftwaffe angegriffen werden. Die Wehrmacht war hier 2:1 an Panzern, 2:1 an Artillerie und 3:1 an Flugzeugen überlegen. Nach heftigen Kämpfen durchbrach Wietersheim bei Manojlin die sowjetische Front und erreichte am 26. Juli Kalatsch am Don, um nach unkoordinierten Gegenangriffen seinen Weg über Kalatsch fortzusetzen. Mittlerweile fungierten auch Jánys Ungarn als Flankensicherung am Don. Versorgungsengpässe führten schon jetzt zum zeitweiligen Stillstand aller Operationen. Mit energischen und brutalen Maßnahmen konnte Stalin die Auflösungserscheinungen eindämmen. Ab dem 31. Juli näherte sich die Gruppe Hoth von Tsimljansk her Stalingrad und trieb die Sowjets in die Seenkette südlich der Stadt zurück. Nachdem der Gegner am Fluss Aksaj Widerstand leistete, wurde er durch weites Ausgreifen nach Osten ausmanövriert und am 7. August konnte Hoth bei Abganerowo, nur 30 Kilometer vor Stalingrad, zum Stehen gebracht werden.

In der Stadt brach eine Panik aus, da etwa zur gleichen Zeit Wietersheim und Paulus bei Kalatsch zusammentrafen und bis zum 11.August die 62. Armee und die 1. Tankarmee zerschlagen konnten. Es gelang den Sowjets allerdings, mehrere Brückenköpfe über den Don zu halten. Generaloberst Jeremenko übernahm den Oberbefehl im Raum Stalingrad. Ihm unterstanden die Stalingrad-Front (Gordow) und die Südwestfront (Golikow). Das Kommando über die verzweifelt fechtenden Kräfte der Roten Luftflotte erhielt hier Stalins Luftwaffenchef Nowikow persönlich. Hitler wurde bereits nervös, da er mit seiner gefährlichen Intuition spürte, dass ein Flankenangriff möglich war.

Am 16.August konnte Hubes 16. Panzer-Division die Donbrücke von Kalatsch besetzen. Eine Woche später setzte die 6. Armee zum Großangriff auf Stalingrad an. Wietersheim brach bei Wertjatschij durch, um die Stadt von Norden her zu erreichen. Seydlitz nahm die Donbrücke vor Peskowatka im Handstreich und setzte ebenfalls über den Fluss. Einem schweren Angriff der Luftwaffe fielen nach russischen Schätzungen etwa 40.000 Menschen zum Opfer. Hube erreichte bei der nördlichen Vorstadt Rynok die Wolga. Jeremenko konnte improvisiert den inneren Verteidigungsring besetzen. Zum Teil standen kaum ausgebildete Frauen an den Panzerabwehrkanonen, die von den Truppen der 6. Armee spielend zusammengeschossen wurden. Der Angriffskeil wurde am 24. August zum Stehen gebracht und musste sich einigeln, um unter laufenden Gegenangriffen das Aufschließen der Hauptmacht abzuwarten. Als am nächsten Tag die 71. Infanterie-Division (von Hartmann) von Westen her den Verteidigungsgürtel erreichte, verhängten die Sowjets das Kriegsrecht. Frauen, Kinder und Alte wurden über die Wolga evakuiert. Gegenangriffe scheiterten an Kräftemangel und deutscher Luftherrschaft.

Vor den Soldaten der 6. Armee erstreckte sich auf etwa 30 Kilometer Länge am Westufer der 1,5 Kilometer breiten Wolga Stalins Industrieschaustück. Neben den Wohnvierteln und Großbauten im Stadtkern waren vor allem die im Norden am Fluss gelegenen Industriegebiete mit ihren Arbeitersiedlungen von Bedeutung. In der Stadt ragten mehrere Hügel auf, außerdem wurde sie von Wasserläufen wie der Zariza durchflossen. Eine Wolgabrücke gab es nicht, dafür aber mehrere Fähren und einen Flusshafen. Am 29. August verschärfte sich die Lage für Jeremenko weiter, als Hoth bei Abganerowo durchbrechen konnte - in den Rücken der westlich der Stadt stehenden Truppen. Paulus befürchtete jedoch einen Durchbruch der Sowjets bei Wietersheim und zögerte zu lange, so dass die Sowjets sich in den Verteidigungsring zurückziehen konnten. Immerhin konnten die Deutschen die Landbrücke zwischen Don und Wolga nach Norden abriegeln.

Nachdem Paulus und Hoth endlich Fühlung aufnahmen, setzte am 3. September der Angriff auf den Verteidigungsgürtel ein. Seydlitz brach durch und kämpfte sich an den Stadtkern heran. Entlastungsangriffe von Norden her verringerten den deutschen Druck. Der Flugplatz Gumrak fiel am 7. September und Hartmanns Division stand 8 Kilpmeter vor der Stadtmitte. Den entscheidenden Glücksgriff tat STAWKA mit der Ernennung Generalleutnant Wassilij Tschuikow zum neuen Oberbefehlshaber, der Stalingrad verteidigenden 62. Armee. Der neue Mann brachte das deutsche Angriffsschema durcheinander, indem er immer dicht am Gegner blieb. Luftwaffe und Artillerie konnten weniger in die Kämpfe eingreifen und die deutsche Infanterie musste den ungeliebten und blutigen Nahkampf aufnehmen.

75.000 Zivilisten wurden in Arbeitermilizen zusammengefasst und Tschuikow unterstellt. Die Sowjets passten sich schnell an den Straßen- und Häuserkampf an. Sie bildeten bewegliche Kleinverbände in Gruppen- oder maximal Zugstärke, die sich mit den Deutschen um jeden Quadratmeter und um jedes Haus verbissen schlugen. Mitunter nutzten die Stoßtrupps die Kanalisation, um überraschend im Rücken der Angreifer aufzutauchen. Die erbitterten Kämpfe ließen die Stadt rasch in Trümmern versinken. Am 13. September eroberten die Deutschen die Höhen südwestlich Stalingrads und am nächsten Tag kam Seydlitz einem geplanten Ausfall Tschuikows zuvor. Sein LI Korps konnte erst am Metallwerk „Roter Oktober“ und an der Geschützfabrik „Rote Barrikaden“ aufgehalten werden. Nachdem ein Gegenangriff scheiterte, drangen die Deutschen bis ins Stadtzentrum vor und feierten mit dem Hissen der Reichskriegsflagge schon voreilig ihren Sieg. Die Sowjets stellten sich am Hauptbahnhof und hielten hier den Gegner auf. Bis zum 16. September konnten sie unter schwersten Verlusten den beherrschenden Hügel Mamajew-Kurgan freikämpfen. Dennoch war einen Tag später der Hauptbahnhof in deutscher Hand. Die 13. Gardeschützen-Division (Rodimzew) kämpfte hier bis zur völligen Vernichtung. Das Areal wechselte 15 mal den Besitzer. Hoth kam heran und erreichte südlich der Stadt die Wolga. Nachdem zwischen dem 19. und dem 27. September die Sowjets bei Gumrak heftige Gegenangriffe führten, konnten die Deutschen am 27. September den Fährhafen erobern und die 62. Armee in zwei Teile spalten. Erneut scheiterten alle Gegenangriffe Tschuikows. Paulus wurde durch die Mitteilung angestachelt, die Einnahme der Stadt könnte ihn zum Nachfolger Jodls als Chef des Wehrmachtsführungsstabes machen. Im Gegenstoß nach einem sowjetischen Angriff am Mamajew-Kurgan eroberten die Deutschen am 27. September den Großteil des Hügels und erreichten die Werkssiedlungen des Metallwerks „Roter Oktober“.

Zur Eröffnung des Kriegswinterhilfswerkes konnte Hitler die baldige Eroberung Stalingrads ankündigen: "Und sie können der Überzeugung sein, dass uns kein Mensch von dieser Stelle mehr wegbringen wird!" Während Stadtzentrum und Süden der Stadt in deutscher Hand waren, scheiterte zwischen dem 4. und dem 6. Oktober ein Angriff auf das Traktorenwerk. Derweil besprachen Tschuikow und Wassilewski als Vertreter STAWKA’s mit den Oberbefehlshabern der Fronten die für den Winter geplante Gegenoffensive. In der Operation „Uran“ sollte die 6. Armee durch Flankenstöße aus den Donköpfen heraus eingeschlossen werden. Folgen würde ein Vorstoß nach Rostow, um die Heeresgruppe A im Kaukasus abzuschneiden. Das OKH spielte den Sowjets in die Hände. Die verlustreichen Kämpfe verschlangen immer mehr Kräfte und auch die aus dem Kaukasus abgezogene 3. rumänische Armee (Dumitrescu) wurde zwischen Italienern und Paulus am Don eingeschoben. Ihre Truppen waren schlecht ausgerüstet und besaßen keine Panzerabwehrwaffen, die einem sowjetischen T 34 gefährlich werden konnten. Auch südlich der 4. Panzerarmee wurden mit der rumänischen 4. Armee mangelhaft geeignete verbündete Truppen als Flankenschutz eingesetzt. Hitlers Operationsbefehl Nr. 1 stellte am 14. Oktober alle Angriffsoperationen im Osten bis auf Stalingrad und den Raum Grosnyi ein. Der Führung dämmerte, dass eine Entscheidung vor 1943 nicht mehr fallen konnte. Am gleichen Tag eröffnete Paulus einen Großangriff am Traktorenwerk. Unter dem Verlust von 3.000 Gefallenen eroberten Verbände der 6. Armee die Fabrik und isolierten die Nordgruppe Tschuikows bei der Vorstadt Spartakowka. Die 62. Armee konnte die Angreifer wieder zum Stehen bringen, wobei sie allerdings drei Viertel der eingesetzten Kräfte verlor. Es folgten ab dem 18. Oktober wilde deutsche Angriffe am Metallwerk „Roter Oktober“ und nach vier Tagen konnten sie immerhin in die Fabrikanlagen und die Geschützfabrik „Rote Barrikaden“ eindringen. Als Vorbote des nahen Winters fiel an diesem 22. Oktober der erste Schnee. Nachdem am 25. Oktober die Wolga-Flottille einen Angriff auf Spartakowka zusammenschoss, scheiterten bis Monatsende alle Versuche, Tschuikow in die Wolga zu werfen. Ende Oktober hatte STAWKA im Raum Stalingrad 1 Million Mann, 13.451 Geschütze und Granatwerfer, 894 Panzer und 1.115 Flugzeuge zusammengezogen. Die Achse verfügte hier über 1 Mllion Mann, 10.000 Geschütze und Granatwerfer, 675 Panzer und 1.200 Flugzeuge.

Zu bedenken ist, dass der Großteil der Verbände verbündeten Armeen angehörte. Am 1. November meldete die deutsche Funkaufklärung Angriffsabsichten, nachdem Hitlers ungute Ahnungen bisher von der Aufklärungsabteilung Fremde Heere Ost nicht bestätigt wurden. Bei der Parade zum 25. Jahrestag der Oktoberrevolution erklärte Stalin, die Deutschen hätten bereits die Widerstandskraft der Roten Armee kennengelernt und in absehbarer Zeit würden sie auch die "Stärke der vernichtenden Schläge" erfahren. Hitler wiederum äußerte einen Tag darauf in seiner Rede vor den Alten Kämpfern, die Einnahme der Stadt sei weitgehend beendet. Die Dauer der Schlacht schob er auf die angeblich Verlust sparende Stoßtrupptaktik („Ich will kein zweites Verdun.“). Erst am 9. November meldete Fremde Heere Ost sowjetische Truppenkonzentrationen von ungewöhnlicher Stärke nördlich und südlich der 6. Armee. Man erkannte allerdings trotz aller Warnungen der Funkaufklärung den unmittelbar bevorstehenden Großangriff nicht, den FHO eher bei der Heeresgruppe Mitte erwartete.

Am 11. November erreicht der letzte deutsche Angriff am Metallwerk „Roter Oktober“ die Wolga. Tschuikow eröffnete mit frischen Kräften überall Gegenangriffe. Das Blatt in Stalingrad begann sich zu wenden. Die Katastrophe kam am 19. November, als STAWKA mit der Operation „Uran“ die Winteroffensive eröffnete. Aus dem Donkopf von Kletskij trat die Südwestfront (Golikow), aus dem Kopf von Serafimowitsch die Donfront (Rokossowski) gegen die schwachen Stellungen der 3. rumänischen Armee an. Dumitrescus Front wurde von 3.500 Geschützen unter Feuer genommen. In den Angriffsabschnitten trommelten 70 Rohre pro Kilometer auf die Rumänen. Eine Schlechtwetterfront nagelte die Luftwaffe auf ihren Feldflugplätzen fest, während die Sowjets von fest ausgebauten Plätzen fast 2.000 Flugzeuge in die Schlacht werfen konnten. Das rumänische II. Korps wurde trotz tapferen Widerstandes überrannt. Ein deutscher Gegenstoß scheiterte und die Sowjets erzielten den operativen Durchbruch. Dumitrescu verlor innerhalb weniger Tage das Gros seiner Armee. Einen Tag darauf zertrümmerte Jeremenkos Stalingrad-Front den linken Flügel der rumänischen 4. Armee und drängte andere Teile nach Stalingrad ab. Verzweifelte Versuche Hoths, mit dem Detachement Korne die Lücke zu schließen, schlugen fehl. Am 21.November befahl Weichs Paulus, Stalingrad zu halten und den Ausbruch nach Westen vorzubereiten. Tags darauf trafen die sowjetischen Stoßkeile bei Kalatsch am Don zusammen. Der 6. Armee drohte in einem Kessel von 60 Kilometer Länge, 30 Kilometer Breite und 172 Kilometer Umfang die Einschließung.

Paulus ersuchte Hitler um Handlungsfreiheit, doch dieser erteilte ihm zunächst einen Haltebefehl. Heeresgeneralstabschef Zeitzler erwirkte die Zustimmung des Führers zum Ausbruch. Paulus erbat am 23. November erneut Handlungsfreiheit. Weichs wies auf die Unmöglichkeit einer Luftversorgung der 6. Armee hin, für die auch Paulus ein düsteres Bild zeichnete. Das Todesurteil über den Kessel von Stalingrad wurde am 24. November 1942 gesprochen. Göring garantierte eine Luftversorgung, Fremde Heere Ost rechnete nicht mit weiteren Großangriffen und so erklärte Hitler Stalingrad zur Festung und untersagte jeden Ausbruch. Paulus kürzte die Verpflegungssätze auf die Hälfte und forderte die Luftwaffe auf, lieber Munition und Treibstoff als Nahrungsmittel einzufliegen. Offensichtlich trug er sich noch immer mit dem Gedanken eines Ausbruchs. Am 25. November waren in Stalingrad 19 deutsche Heeresdivisionen (je 3 gepanzert bzw. motorisiert) und die 9. Flak-Division eingeschlossen. Hinzu kamen aus Rumänien je eine Infanterie- und Kavallerie-Division sowie kroatische Freiwilligenverbände. Im Kessel konnten zur Luftversorgung nur die unter Artilleriebeschuss und Luftangriffen liegenden Flugplätze Pitomnik und Gumrak benutzt werden. Die Sowjets flogen auch Angriffe gegen die deutschen Absprungflugplätze. Jagdflieger bedrohten die Transporter in der Luft, so dass die Luftflotte 4 (Freiherr von Richthofen) Jäger in den Kessel legen musste. Nowikow richtete vier Operationszonen zur Verhinderung der Luftbrücke ein. In der 1. Zone operierten die Bomber, um die deutschen Absprungflugplätze anzugreifen. In der 2. Zone überwachten die Jäger die deutschen Einflugschneisen und in der 3. Zone blockierten 3.000 Flakgeschütze die Luftkorridore. Die 4. Zone stellte Stalingrad selber da, wo die Flugplätze unaufhörlich angegriffen wurden.

Statt der geforderten 600 Tonnen täglich erreichten nur 300 Tonnen Nachschub die 6. Armee. Später sollten es weniger als 100 Tonnen sein. Die Sowjets hatten das Ausmaß ihres Erfolges nicht erkannt. Die Feindaufklärung hatte die Stärke der eingeschlossenen Achsentruppen mit nur 85-90.000 Mann ermittelt, wodurch sich die Vernichtung der 6. Armee wesentlich verzögerte. Das OKH bildete die neue Heeresgruppe Don unter Generalfeldmarschall Erich von Manstein. Ihr unterstanden die 6. Armee in Stalingrad, die 4. Panzerarmee und die Rumänen. Am Tschir im Süden leistete die Armeeabteilung Hollidt Widerstand. Ab dem 3. Dezember sollte Hoth mit Kirchners LVII Panzerkorps im Unternehmen „Wintergewitter“ Stalingrad entsetzen.

Der Kessel band 50 Schützen-Divisionen, 12 Schützenbrigaden, 6 mechanisierte Brigaden, 25 Panzerbrigaden und 3 Kavallerie-Divisionen, alles in einem, sieben komplette Armeen und gut 50 % aller vor der Heeresgruppe Don stehenden Feindkräfte. Mit infolge von Verweigerungshaltung der Heeresgruppe A im Kaukasus und Transportproblemen schwächeren Kräften als vorgesehen, setzte Kirchner erst am 12. Dezember zum Sprung nach Stalingrad an. Zunächst konnte er nur mit der 6. Panzer-Division (Raus) aus dem Raum Kotelnikowo aus angreifen, aber allmählich trafen andere Panzerkräfte ein. Mit Hilfe der bewährten Kampfgruppentaktik konnte Raus auf 30 Kilometer Breite durchbrechen, erreichte aber das Tagesziel, die Übergänge über den Aksaj, nicht.

Schon am Vortag schlugen die Sowjets unerwartet mit der Woronesch-Front (Watutin) gegen die Italiener los, die sich erbittert verteidigten. Paulus vernachlässigte derweil den Ausbau der Landeplätze im Kessel, so dass die Bodenorganisation weiterhin der Luftversorgung nicht gewachsen war. Die Truppe wurde mit wässerigem Roggenbrot versorgt, weil die Heeresverwaltung die Weizenmehl- und Buttervorräte in Rostow nicht freigab. Niemand dachte daran, hochwertige Kraftnahrung, wie sie beispielsweise Fallschirmjäger und U-Waffe in rauen Mengen besaßen, aus Deutschland heranzuschaffen. Am 13. und 14. Dezember kämpfte sich Kirchner über den Aksaj, aber schon am 15. Dezember musste angesichts der extrem hohen Verluste die Luftbrücke bei klarer Sicht eingestellt werden. Es wurde nur noch bei Schlechtwetter oder in der Nacht geflogen. Bis Weihnachten verschlechterte sich das Wetter so sehr, dass nur noch Blindflug erfahrene Besatzungen eingesetzt wurden. Von 10 Transportern erreichten im Schnitt nur 6 den Kessel und von diesen kehrten nur 3 oder 4 zurück. Zu allem Überfluss brach am 16. Dezember die Front der Italiener mit einer katastrophalen Niederlage völlig zusammen. Watutin brach in Mansteins Rücken durch und sein Ziel waren die Donübergänge von Rostow. Nur über diese konnte die eeresgruppe A noch aus dem Kaukasus gerettet werden. Der Rückzug von fast 1 Million Mann war empfindlich bedroht und das wog schwerer als die Vernichtung der 6. Armee. Manstein forderte am 18. Dezember vom OKH den sofortigen Ausbruch der 6. Armee. Sie sollte dem LVI Panzerkorps entgegenkommen. Auf Drängen seines Stabschefs Schmidt lehnte Paulus dieses als Katastrophenlösung ab und forderte lediglich eine bessere Versorgung seiner Armee. Kurz darauf bereitete er aber doch den Ausbruch mit dem Unternehmen „Donnerschlag“ vor. Die Lieferungen stiegen auf fast 300 Tonnen täglich an und die Mindestanforderungen lagen in greifbarer Nähe. Im Kessel lag die Verpflegungsstärke bei 230.000 deutschen und verbündeten Soldaten sowie 19.300 gefangenen Rotarmisten. Am 19. Dezember konnten die Entsatztruppen die Myschkowa überschreiten und Manstein forderte einen Ausbruch der 6. Armee an diesen Fluss oder wenigstens die Freikämpfung eines Korridors, um die Truppen durchzuschleusen. 48 Stunden später war Watutins Durchbruch bei den Italienern bereits 100 Kilometer breit, aber die Deutschen standen 48 Kilometer vor Stalingrad. Paulus brauchte Hoth nur die Hand zu reichen, aber Hitler war gegen einen Ausbruch.

Wie der 23. Dezember zeigte, war die Kampfkraft der 6. Armee noch lange nicht gebrochen. Sowjetische Angriffe am Mamajew-Kurgan scheiterten und am Metallwerk „Roter Oktober“ eröffnete Paulus sogar Gegenangriffe. Die bedrohliche Lage im Rücken der Heeresgruppe und am Tschir machte nun aber einen Abbruch der Entsatzoperation erforderlich. Die Sowjets überrannten die Absprungflugplätze der Lufttransporter. Am 29. Dezember beschloss die zusehends realitätsfernere deutsche Führung, Paulus im Februar über Kalatsch zu entsetzen. Im Dezember verlor die 6. Armee durch Tod, Krankheit oder Verwundung 80.000 Mann. In den Augen der Sowjets gab es keine Hoffnung mehr für Paulus und am 8. Januar 1943 forderten sie ihn zur ehrenvollen Kapitulation auf. Hitler untersagte diese, da die 6. Armee 80 insgesamt sowjetische Großverbände band, die ansonsten den Untergang der Heeresgruppe A herbeiführen würden. Den in Stalingrad kämpfenden Rumänen teilte man die Kapitulationsaufforderung nicht einmal mit. Einen Tag später befahl Paulus: „Halten um jeden Preis!“

Rokossowski blieb ihm die Antwort nicht schuldig. Am 10. Januar 1943 eröffneten 6.500 Geschütze das Trommelfeuer auf den Kessel. Anschließend stürmten 212.000 Mann mit 250 Panzern zur Vernichtung des Kessels vor. Obwohl die hungernden und frierenden Landser sich verzweifelt wehrten, eroberten die Sowjets am 16. Januar den Flugplatz Pitomnik. Nun war der Kessel auf das Kraterfeld von Gumrak angewiesen. Einen Tag später war die Armee auf den inneren Verteidigungsgürtel zurückgedrängt. Paulus warf der Luftwaffe vor, sie habe versagt. Auf Befehl Hitlers musste er am 20. Januar eine erneute Kapitulationsaufforderung ablehnen. Schließlich brach am 22. Januar der Abschlussangriff los. Am Abend startete zum letzten Mal ein deutsches Flugzeug aus Stalingrad. Die Luftwaffe konnte  32.000 Verwundete und 10.000 Mann Spezialpersonal aus dem Kessel ausfliegen. Hitler erteilte Paulus absolutes Kapitulationsverbot. In der Stadt siechten 20.000 unversorgte Verwundete dahin. Weitere 20.000 Männer waren infolge von Erfrierungen und Hunger kampfunfähig. Um die kampffähige Truppe zu retten, erhielten Kranke und Verwundete keine Verpflegung mehr. Als Rokossowskis Sturmtruppen am 25. Januar die Stadtmitte erreichten und Kontakt zur 62. Armee herstellten, war der Kessel in zwei Teile gespalten. Die Führung im Norden übernahm General Strecker. Der Mamajew-Kurgan und das Metallwerk „Roter Oktober“ fielen in sowjetische Hände. Nur drei Tage später rollte gerade rechtzeitig zur Unterstützung der hart bedrängten Heeresgruppe Don die 1. Panzerarmee aus dem Kaukasus kommend bei Rostow über den Don.

Insgesamt konnten 400.000 Mann, 110.000 Pferde, 26.500 Kfz, 1.000 Panzer und 2.000 Geschütze über den Don gerettet werden. Andere Teile der Heeresgruppe A konnten sich dank des Opferganges von Stalingrad an den Kuban absetzen. Die Truppe im Kessel wusste, worum es ging: Bis zum 29. Januar hatten die Sowjets nur 16.800 Gefangene gemacht. Am 30. Januar wurde Generaloberst Friedrich Paulus zum Generalfeldmarschall erhoben - eine verkappte Aufforderung zum soldatischen Freitod. Der leidgeprüfte Marschall, durch seine Fehlentscheidungen nicht unschuldig am Untergang seiner Soldaten, tat seinem Obersten Kriegsherren diesen Gefallen nicht. Er hatte noch die Stirn, die Kapitulation zu verweigern. Am 2. Februar 1943 streckte der Nordkessel die Waffen. Gegen Ende der Schlacht traten die Deutschen in kleinen Gruppen zu verzweifelten Ausbruchsversuchen an, um nicht den Roten in die Hände zu fallen. Sie wurden samt und sonders niedergemacht.

Die 6. Armee war untergegangen. 91.000 völlig erschöpfte Soldaten gingen in Gefangenschaft, von denen 50.000 an Typhus starben. Die Überlebenden warteten in Auffanglagern auf ihren Transport nach Sibirien, wo weitere 35.000 Mann in Stalins KZ den Tod fanden. Stalingrad wurde das Grab des IV. Korps (Pfeffer), des VIII. Korps (Heitz), des XI. Korps (Strecker), des XIV. Panzerkorps (Schlömer) und des LI. Korps (von Seydlitz-Kurzbach) mit den Panzer-Divisionen 14, 16 und 24, den motorisierten Divisionen 3, 29 und 60, der 100. Jäger-Division, der 9. Flak-Division, der rumänischen 20. Infanterie-Division, der rumänischen 1. Kavallerie-Division, eines kroatischen Regimentes und der deutschen Infanterie-Divisionen 44, 62, 71, 76, 79, 94, 161, 294, 295, 305, 336 und 389.

Die Luftversorgung kostete die Luftwaffe 488 Maschinen. In den Trümmern der völlig zerstörten Stadt lagen 147.000 gefallene Landser und die Kadaver von 52.000 Wehrmachtspferden. Die sowjetischen Gesamtverluste betrugen fast 1 Million Mann.

Operation "Braunschweig" in Originalaufnahmen

(DivX notwendig)

 

 

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